© Da_Judge / photocase.de
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Setzt jemand das Wort „Rot“ in den Raum und lässt mich drüber nachdenken, dann denke ich unweigerlich früher oder später über meine Kindheit nach.

Das kommt einfach daher, dass Rot für mich unzertrennlich mit der ehemaligen UdSSR verknüpft ist und die UdSSR mit der DDR und die DDR mit meiner Kindheit.

Geboren wurde ich zwar erst im November 1990, also kurz nach der Wiedervereinigung, trotzdem war alles um mich herum typisch DDR. Ist ja auch klar, nur weil es jetzt ein anderes Staatsoberhaupt und keine Mauer mehr gibt, ändert das Gewohnheitstier Mensch ja nicht gleich sein ganzes Leben.

Warum auch? So schlecht war’s doch gar nicht!

Natürlich war man in der DDR dank Stasi und Konsorten niemals wirklich frei. Auch nicht der so erfolgreiche Sport. „Sport frei!“ war das eher nicht!

Auch das mit der Religion wurde nicht so gerne gesehen. Oder das mit den Westmedien, oder …

Dafür hat die DDR Eigenschaften bei den Menschen zu Tage gefördert, auf die man sich in der heutigen Zeit öfters mal besinnen sollte.

Was ich meine, ist die Achtung und Wertschätzung des Menschen. Das hat nicht der „souveräne“ Staat so gesehen. Das haben die Menschen untereinander gespürt.

Statt „Arbeiter-und-Bauern-Staat“ hätte man sich daher treffenderweise auch als „der Miteinanderstaat“ deklarieren können.

Ob man Bäcker oder Maurer war, machte keinen Unterschied. Alle verdienten das Gleiche, also wurden andere Dinge wichtig. Die höher gesetzten Genossen mal ausgenommen. Geld war natürlich nicht unwichtig, besaß jedoch keinen so hohen Stellenwert wie im westlichen Kapitalismus.

Das Miteinander und das Füreinander-da-Sein standen ganz oben in der Prioritätenliste.

Niemand lebte alleine vor sich hin.

Das spiegelt sich wider in den bekannten Bildern beim Grillen oder in der Datsche. Das war DDR!

Die Familie wurde anders geschätzt. Mehr geschätzt. Noch heute lässt meine Mutter alles stehen und liegen, wenn meine Oma ruft. Die Familie kam zuerst.

Dass diese Einstellung uneingeschränkt die richtige ist, muss an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt zu werden.

© nicky_ / photocase.de
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Meine Mutter ist im Umland der Müritz geboren und aufgewachsen. Alles andere als Großstadt also. Zusätzlich kam hier zum Faktor DDR auch noch der Faktor Dorf hinzu.

Laut den Erzählungen von ihr und meiner Oma war es ein hartes, aber unbeschwertes Leben. Manchmal denke ich bei den Erzählungen an die Aussage: „Wir hatten nichts außer uns.“ Und anscheinend hat das vielen Menschen ausgereicht. Was benötigt der Mensch auch viel mehr, als sich und seine Liebsten!?

Die bekannten Bilder, die während der Demonstrationen und des Mauerfalls entstanden sind, haben sich bei vielen eingebrannt und waren gegenüber Unbeteiligten natürlich absolut meinungsbildend. Oftmals kam der Eindruck auf, dass niemand auch nur irgendetwas Gutes an der DDR finden konnte.

Allerdings war diese Feindseligkeit gegenüber den Machthabern ziemlich konzentriert auf die Großstädte wie Berlin, Leipzig, Dresden.

Natürlich war und ist die Wiedervereinigung etwas Tolles, und ich will hier keinesfalls einen der positiven politischen Höhepunkte der Neuzeit kleinreden! Familien und Freunde konnten sich endlich wieder in den Armen liegen. Und sehr wahrscheinlich wäre das Leben in der DDR so nicht weitergegangen, da die Planwirtschaft nicht die hellste aller Erleuchtungen am Himmel der Menschheit gewesen ist.

Aber was hat das Ganze gebracht? Es wurde viel Geld investiert, und ich persönlich finde den Solidaritätsbeitrag bis heute gerechtfertigt.

Viele ehemalige „Ossis“ sind durch den Kulturschock bis heute in ihrer eigenen Lethargie gefangen. Das Ganze ist natürlich ein Teufelskreis. Erst war kein Geld und keine Motivation da, viele hatten noch die Arbeitsplatzsicherheit der DDR im Kopf.

Dadurch wollten sich natürlich keine Unternehmen ansiedeln, wodurch viele Richtung Westen geflüchtet sind … die bekannten Probleme.

Und leider waren nicht alle bereit dazu, sich weiterzuentwickeln, weshalb sie sich jetzt abgehängt fühlen.

Heute wird jedenfalls durchweg geschimpft. Auf die Politik, auf die Flüchtlinge und gerne auch mal über den Nachbarn. Das Gemeinschaftsgefühl ist dahin.

Noch immer geht es uns in Deutschland überdurchschnittlich gut und wir leben im Vergleich zu vielen anderen Ländern ausgesprochen sicher.

Ich habe fast das Gefühl, dass durch die Flüchtlingskrise die alten und die neuen Bundesländer ein Stück mehr zueinandergefunden haben. Jetzt gibt es endlich ein gemeinsames Thema!

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1 KOMMENTAR

  1. Was für eine schräge Darstellung der DDR. Aber eben eine individuelle Ansicht. Und leider wohl nur aus Hören und Sagen. Wie das eben heute so in den Social Medien üblich ist.
    „Das Miteinander und das Füreinander-da-Sein standen ganz oben in der Prioritätenliste.
    Niemand lebte alleine vor sich hin. Das spiegelt sich wider in den bekannten Bildern beim Grillen oder in der Datsche. Das war DDR!“ Bitte? Grundsätzlich verunglimpfen sie in Ihrem Beitrag das doktrinäre System der DDR.
    Beim Bund Deutsche Mädchen und in der HJ wurde auch Gemeinschaft gepflegt, das war bestimmt eine coole Zeit, so mit wandern und grillen und so gemeinsam etwas unternehmen wie Schaufenster bemalen. Man darf diese zwei System nicht vergleichen? Doch, unbedingt sogar. Denn alle totalitären Systeme handeln nach dem gleichen Prinzip der Ausgrenzung, der frühen ideologischen Beschlagnahme von Kinder und Jugendlichen, der Unterwerfung, der Ausübung von Angst durch Androhung und Vollstreckung von Repressalien und der Schaffung von Zwangsgemeinschaften.
    „Das war die DDR!“ Mit Ausrufezeichen? Also DAS war sie? Fragen Sie Systemkritiker, fragen Sie Menschen die keine Zukunft, Karriere machen konnten, seit Lebens unter Ihren Möglichkeiten bleiben mussten, weil sie nicht systemtreu, oder Christen waren. Fragen sie Eltern denen aus politischen Gründen die Kinder entrissen wurden, fragen Sie die abertausenden die Jahre als politische Gefangene inhaftiert wurden. Fragen Sie die Familien der Maueropfer. DAS WAR DIE DDR in ihren Grundfesten. In jedem totalitären System versuchen die Menschen zu überleben. Man richtet es sich ein. Man kann nicht jeden Tag 24 Stunden lang über das Schicksal nachdenken. Also arrangiert man sich. DAS WAR DIE DDR. Wenn ich nicht raus kann, dann mache ich es mir hübsch zu hause und arrangiere mich mit dem menschlichen Potential, welches mir zur Verfügung steht. Ich habe keine andere Wahl. Soviel zu Ihren unreflektiertem Sätzen: „Das Miteinander und das Füreinander-da-Sein standen ganz oben in der Prioritätenliste. Niemand lebte alleine vor sich hin.“ Das Denunziantentum war allgegenwärtig. Ich habe es selber erfahren, mehrfach. Ja MAN war für solche wie uns da. Niemand lebte unbeobachtet, nichts geschah ohne Konsequenzen. Oder man gehörte der schweigenden Masse an, die mitlief, die mitjubelte. DAS ist das Thema das uns Deutsche heute wieder vereint. Ein wirklich furchtbarer Beitrag hier auf Ihrer Seite. Ein wenig Reflexion wäre angebracht, auch als Spätgeborener. Schade Für Ihr neues Medium „Herzwert“.

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